Archiv der Kategorie 'Killed by Cops'

29. August 2011: Mario Parraguéz Pinto

Am Dienstag, den 30. August wurde der Drecksbulle Miguel Millacura Carcamo, der den 16 Jahre alten Manuel Gutiérrez Reinoso erschoss, angeklagt und eines „Tötungsdelikts“ beschuldigt. Zurzeit befindet er sich in Untersuchungshaft in der „Kaserne“ der Pudahuel Gemeinde, die als spezielles Gefangenenlager zum Schutz ehemaliger Polizeibeamter dient. Bald wird entschieden, ob ein Zivil- oder Militärgericht das Urteil gegen den Mörder sprechen wird.

Indem der chilenische Staat durch seine Marionetten-Regierung dabei ist, die an dem Mord beteiligten (Karabiniers, aber auch ihre Vorgesetzten) schwer zu „bestrafen“ hat er damit begonnen sein lädiertes öffentliches Bild zu säubern. Mit dieser Maßnahme soll die gesamte Gesellschaft von der Verantwortung des Innenministeriums abgelenkt werden.

In der Nacht des 24. August wurde ein 18-jähriges Mädchen, während es vor der Polizei weglief, ernsthaft durch Polizei-Geschosse verletzt. Die Polizei begehrte Rache für die im ganzen Land insgesamt 156 Verletzten in ihren eigenen Reihen.

In der Nacht von Donnerstag, 25. August wurde inmitten gewalttätiger Ausschreitungen in Pincoya (Viertel von Santiago) der 18-jährige Mario Parraguéz Pinto ins Gesicht geschossen und ins Krankenhaus überführt. Sein Zustand verschlechterte sich, bis er am Montag den 29. August verstarb.

Mario geriet in die Kampflinie zwischen bewaffneter Polizei und DemonstrantInnen. Jenseits der Faktenlage, wie der Junge starb (im Gegensatz zu den staatlichen Umgang im Falle des Todes von Manuel) schaffen das Polizeipräsidium und die Massenmedien ein Szenario, nachdem Mario durch einen Drogendealer erschossen wurde. Die Karabiniers, die oft wahllos auf Leute schießen, werden somit von ihrer Verantwortung entbunden.

Quelle: Indymedia

26. August 2011: Manuel Gutierrez Reinoso

Im Rahmen des Generalsteriks gegen die Bildungs- und Sozialpolitik in Chile kam es zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen mit der Staatsgewalt., die Schusswaffen einsetzte um die Menge zu zerstreuen. Über 600.000 Menschen beteiligten sich  Gewerkschaftsverbänden zufolge an den Landesweiten Aktionen. Während der Proteste ist ein Jugendlicher erschossen worden, ein zweiter schwebt in Lebensgefahr. Medienberichten zufolge wurden mindestens 1.400 Menschen festgenommen. Seit Monaten finden in Chile Demonstrationen gegen die ungerechte Bildungspolitik statt.

Medienberichte:

The Guardian | Der Standard | Der Spiegel | Die Welt | DW-WORLD | junge welt | Wiener Zeitung

Quelle: Indymedia

24. August 2011: Andrea H.

Andrea H. wurde im August 2011 von einem Berliner Polizisten erschossen. Vor kurzem wurde der Todesschütze, ein Zugführer der 23. Berliner Hundertschaft von allen Vorwürfen freigesprochen. Kritik gibt es mittlerweile von allen Seiten. Unabhängige Beobachter_innen und Spezialisten bewerten den Einsatz als Fehler, nur die Berliner Polizei sieht bei dem Vorfall immer noch eine klare Notwehrsituation.

Schon zweimal hatte das Amtsgericht Wedding Andrea H. vorgeladen. Es ging um die Unterbringung in einer Klinik. Den Aufforderungen kam die 53 jährige jedoch nicht nach. Dieses Mal wollte eine Mitarbeiterin des Bezirksamts und zwei Polizisten jedoch ernst machen. Sie klingelten an der Tür einer betreuten Wohngemeinschaft für psychisch auffällige Menschen im Senftenberger Ring. Nachbar_innen im Märkischen Viertel war die als schmal und klein beschriebene Frau eher ruhig und unauffällig in Erinnerung. Durchweg herrscht Unverständnis darüber, dass Andrea H. nicht anders gestoppt werden konnte.

Als es an der Tür der Wohngemeinschaft klingelt öffnet nicht etwa ein Betreuer die Tür, der in so einem Fall sicher deeskalierend gewirkt hätte, sonder Andrea H. selber. Als sie mitgenommen werden soll, wehrt sie sich nach Aussagen der eingesetzten Beamten mit einem Messer und verletzt einen der Beamten am Arm. Diese setzten daraufhin Pfefferspray ein. Andrea H. zieht sich zurück in ihre Wohnung, heisst es weiter. Die Tür scheint wieder geschlossen worden zu sein. Nun wird Verstärkung gerufen. Laut einigen Medienberichten wurde sogar ein SEK angefordert, schon hier beginnt eine vollkommen fatale Spirale. In solch einer psychologischen Notfallsituation ist weder ein SEK, noch die Einsatzhundertschaft der Berliner Polizei richtig am Platz. Polizeiwissenschaftler Professor Thomas Feltes von der Ruhr-Uni Bochum sagte zu dem Geschehen unter anderem, die Polizisten hätten sich angesichts des Widerstands der Frau zurückziehen und einen Psychologen oder Familienangehörigen rufen sollen. Auf jeden Fall hätten sie die Tür ruhiger öffnen müssen. Was die eintreffenden Beamten der 23. Einsatzhundertschaft dann taten, muss Andrea H. in bloße Panik versetzt haben. Zunächst rammten die Beamten mit einem Rammbock die Tür ein, kurz darauf drangen sie mit einem Schild in die Wohnung ein. Andrea H. stand zu diesem Zeitpunkt wohl in einer Zimmerecke. Laut Aussagen der eingesetzten Beamten stürmte Andrea H. plötzlich auf den Beamten mit dem Schild zu, beide fielen zu Boden. Andrea H. soll nun laut Aussagen der Beamten versucht haben mit einem Messer in Richtung des Kopfes des am Boden liegenden Beamten zu zielen. Daraufhin schoss der Zugführer einen Schuss auf Andrea H. ab, traf die Niere. Sie fiel zu Boden und verblutete und starb in ihrer Wohnung.

„Wer Polizisten mit einem Messer angreift, muss damit rechnen, erschossen zu werden.“ bellte Bodo Pfalzgraf von der Deutsche Polizeigewerkschaft schon am nächsten Tag. Andrea H. litt unter Wahnvorstellungen und fürchtete sich dabei besonders vor Einbrechern, wie nun bei den Nachermittlungen zum Vorschein kam. Ein Gespräch mit den Betreuern im Vorfeld des Einsatzes hätte zur Entspannung der Situation deutlich beitragen können. Überhaupt kommt es immer wieder zu massiven Zuspitzungen in solchen Situationen, bei denen psychisch auffällige Menschen einem Arzt vorgeführt werden sollen. So erscheint es vollkommen unverständlich in solch einer Situation gewaltsam in eine Wohnung einzudringen. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen des Schusses bereits Mitte September 2011 eingestellt. Der Schütze habe in Nothilfe in einer Art Notwehr zugunsten anderer Beteiligter gehandelt, um einen bedrohten Kollegen zu retten. Wie es zu der Situation gekommen war und ob sie durch ein anderes Vorgehen vermeidbar gewesen wäre, hatte die Staatsanwaltschaft nicht untersucht. Auch disziplinartechnisch innerhalb der Behörde ist der Beamte von allen Vorwürfen freigesprochen worden und fährt nun wieder täglich mit seiner Clique durch Berlin.

Bei einer Kundgebung kurz nach dem Todesschuss zeigte sich auch der Unmut der Nachbar_innen im Viertel. Viele schauten aus den Balkonen, einige riefen ihren Unmut über den Vorfall aus den Fenstern. Die Beamten des Abschnitts die zur Sicherung eingesetzt waren versteckten sich in den Durchfahrten und zwischen den Hecken, offensichtlich spürten sie die Spannung die ihnen entgegen schlug. In den letzten Jahren starben bei Polizeieinsätzen in Berlin immer wieder Menschen, die bei genauerem Hinsehen der Fälle noch unter uns weilen würden. Auch die vollkommen perverse Forderung an die Mutter von der Finanzverwaltung Berlins, den Schaden an einem Zivilfahrzeug nach den tödlichen Schüssen zu zahlen, die Reihard R. auf Dennis J. in der Sylvesternacht 2008/09 abfeuerte, zeigt wie selbstverständlich und bürokratisch mit solchen Fällen umgegangen wird. Nicht verwunderlich das die Angriffe auf Polizeibeamte in Berlin stetig steigen.

Quelle: Indymedia linksunten

16. Juli 2011: Kenneth Harding

Vor wenigen Tagen, am 16. Juli 2011 wurde der 19 jährige Kenneth Harding von Polizisten in San Franciscos öffentlichem Nahverkehr 10 mal beschossen und erlag seinen Verletzungen.

Anlaß für das Massaker war der Versuch Hardings, sich durch Weglaufen einer Fahrschein Kontrolle zu entziehen.

Die Polizei war mit mehreren Beamten im Einsatz. Anstatt dem verblutenden Kenneth Harding irgend eine Form von Hilfe zu leisten, bedrohten sie ihn bis zu seinem Tod weiterhin mit gezogener Waffe (siehe Bild) und richteten ihre Waffen auch auf empörte Passant_innen.

Das ist bereits die dritte Erschießung innerhalb von zwei Monaten durch die Polizei San Franciscos. Erst zwei Wochen zuvor war jemand im lokalen Zugverkehr von Beamten erschossen worden.

Der ganze Artikel findet sich auf Indymedia
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5. Juli 2011: Kelly Thomas

Am 5. Juli 2011 wurde der Obdachlose Kelly Thomas in Fullerton (USA) von der Polizei ermordet; der Tod trat nach 5 Tagen im Koma ein. Der Fall sorgte in den USA für Aufsehen, in Deutschland fand er wenig Beachtung. Weil jetzt der Prozess gegen die Polizeibeamten wegen Mord eröffnet wurde, hier einige Informationen.

10. März 2010: Lámbros Foúndas

Am Morgen des 10. März 2010 wurde der 35-jährige Anarchist Lámbros Foúndas im Athener Stadtteil Dafni von Bullen ermordet. Staat und Medien stellen ihn als „Terroristen“ dar, der angeblich an Stadtguerillaktionen teilgenommen habe. Inzwischen widerlegten jedoch DNA-Tests diese Vorwürfe. Es wird behauptet, er habe mit einem Komplizen versucht, ein Auto zu stehlen. Dabei sei es zum Schusswechsel mit der Polizei gekommen. Bei Lámbros wurde zwar eine Waffe gefunden; dies ändert allerdings nichts daran, dass hier von Mord gesprochen werden kann, denn der tödliche Schuss traf Lámbros in den Rücken. Der Mann, der bei ihm war, konnte fliehen.

Lámbros war aktiv in der anarchistischen Gruppe „Schwarzer Dorn“, welche das Journal „Strassen des Zorns“ herausgab. Nach der Ermordung des Lehrers Nikos Temponeras in Patrás 1991 beteiligte er sich an den antiautoritären Kämpfen der Schüler_innen und anderer junger Leute.

Nach Lámbros‘ Tod durchsuchten die Bullen viele Wohnungen von seinen Nachbar_innen. Mehr als 1.000 Menschen gedachten ihm am 20. März an der Stelle der Ermordung und ganz Athen ist
mit Plakaten vollgeklebt, die an Lámbros erinnern. Seine Ermordung zeigt wieder einmal, dass der Staat nicht davor zurückschreckt, uns zu ermorden. Erst Alexis, jetzt Lámbros!
Nicht wir sind die Terrorist_innen; der Staat ist es!

Solidarität mit den kämpfenden Genoss_innen!
Nichts und niemand ist vergessen!
Für die soziale Revolution!

Flyer zum Verteilen

28. Februar 2010: Sliman Hamade

„Wir haben seine Schreie gehört. Plötzlich war es still.“

Sliman Hamade wurde am 28.2.2010 im Treppenhaus seines Wohnhauses in Schöneberg von Berliner Polizisten ermordet. Kurz zuvor gab es in der Familie Streit, die Musik der Nachbarn war zu laut, ein Kind kann nicht einschlafen. Sliman ist wütend und seine Eltern rufen die Polizei, damit diese die Situation beruhigt. Aber es kommt anders: Die Polizisten zerren Sliman aus der Wohnung, schlagen ihn mit Tonfas zusammen, werfen ihn eine Treppe hinunter, fesseln ihn und sprühen ihm dann Pfefferspray direkt in die Atemwege. Sliman fällt ins Koma und verstirbt kurz darauf an massiven inneren Blutungen. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen die Polizei bereits eingestellt. Doch die Angehörigen und Freunde von Sliman wollen sich damit nicht zufrieden geben und fordern jetzt eine Aufklärung der Todesumstände und ein Ende der rassistischen Polizeigewalt.

Ein Text der Verlobten von Silman könnt ihr hier lesen

Quelle: No Justice No Peace

5. August 2009: Florian P.

Der folgende Bericht ist von Indymedia abgeschrieben (Formalia geändert).

Am 5. August 2009 wurde der erst 14 Jahre alte Florian P. von der Polizei erschossen. Sein 16-jähriger Freund Roland T. liegt mit zwei Oberschenkeldurchschüssen im Krankenhaus. Flo und Roland waren in eine Filiale der Lebensmittelkette „Merkur“ eingebrochen. In Österreich wird mensch neuerdings dafür erschossen…
Der Fall ist in Österreich derzeit überall Titelthema. Daraus Kapital schlagen können jedoch nicht die Angehörigen und Freund_innen von Flo und Roland, sondern vor allem die Polizei. In den Mainstream-Medien wie beispielsweise der für ihren Rassismus bekannten „Kronen Zeitung“ lassen sich Kolumnist_innen schon mal zu Aussagen wie „Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben“ herab. Die Botschaft ist klar: Selber schuld!
Die Polizei fährt schon von Anfang an eine Linie des Vertuschens und der Schuldumkehr. Die beiden Polizist_innen, die geschossen haben, wurden beispielsweise erst am Abend des 8. August befragt. Zuvor waren sie ja laut Polizei in einem „schlechten psychischen Zustand“. Dass sich die Polizei einen Scheissdreck um den psychischen Zustand der Opfer schert, zeigt einiges. So wurde Florians Mutter erst Stunden nach dem Mord vom Tod ihres Sohnes informiert – per Telefon wohlgemerkt. Roland wurde, nachdem sein Freund getötet wurde, mit seinem durchschossenen Oberschenkel nicht etwa psychologisch betreut. Nein, er wurde in Untersuchungshaft gesteckt. Dort ist er für die Medien nicht erreichbar und die Polizei kann ihre Lügengeschichten leichter weitererzählen. So wird derzeit in erster Linie nicht gegen die beiden Killerbullen ermittelt, sonder ob noch weitere „Komplizen“ am Einbruch in den Merkur-Markt beteiligt waren. So hat die Polizei einen 28-jährigen Rumänen aus Krems festgenommen, der jedoch jede Beteiligung an der Tat abstreitet. Es ist eben immer leicht, das Klischeebild des „kriminellen Ausländers“ hervorzukramen. Besonders, wenn die Polizei dadurch mehr Zeit bekommt sich untereinander abzusprechen und Zeit zu gewinnen.
Die beiden Killerbullen geben übrigens an, „angegriffen“ worden zu sein. Von wem? Von zwei Jugendlichen, die einen Schraubenzieher und eine Gartenharke dabei hatten. Florians Bruder hat die Siutuation anders beschrieben – die Polizist_innen säßen den ganzen Tag in einer örtlichen Kneipe, saufen und wären froh, wenn sie einmal die Knarre benutze könnten. So denken mittlerweile viele Menschen in Österreich.

30. April 2009: Tennessee Eisenberg

Am 30. April 2009 wurde in Regensburg der 24-jährige Musikstudent Tennessee Eisenberg erschossen. Vor Ort befanden sich 8-10 Polizisten. Zwei von ihnen schossen ihre Magazine leer: 16 Kugeln wurden abgefeuert, 12 trafen Tennessee, davon 7 von hinten, eine der letzten ins Herz.

12 Fakten:

  • 8 Polizisten trafen auf einen Musikstudenten (24 Jahre, 184cm, 70kg).
  • Tennessee war allein in seiner Wohnung. Es ging von ihm keine Gefahr gegenüber Dritten aus.
  • Tennessee stand nicht unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol.
  • Niemand wurde durch Tennessee verletzt.
  • Der Gutachter der Staatsanwaltschaft hat die Leiche nicht auf Pfefferspray- oder Schlagstock-Einsatz untersucht. Er hat die Schusskanäle nicht skizzert. Er hat keine Gewebepräparationen erstellt.
  • Tennessee hatte keine Spuren von Pfefferspray im Gesicht oder in den Augen. Es wurden bei ihm keine Hämatome (Blutergüsse) gefunden, die auf einen Schlagstockeinsatz hindeuten.
  • Zwei Polizisten schossen jeweils ihr Magazin leer: 16 Schüsse. 12 Treffer. Sieben der Treffer kamen von hinten. Einer der letzten Schüsse ging ins Herz.
  • Die Angehörigen wurden von der Polizei nicht über den Vorfall informiert. Sie erfuhren vom Tod Tennessees über Umwege aus der Presse.
  • Die Polizisten wurden nach der Tat tagelang nicht zu dem Vorfall befragt.
  • Die Staatsanwaltschaft sprach anfangs von Notwehr bzw. Nothilfe, wollte sich aber später hierzu nicht mehr äußern.
  • Die Polizisten waren nach dem Vorfall wieder normal im Streifendienst tätig.
  • Fast vier Monate nach dem Vorfall gibt es noch immer keinen veröffentlichten Ermittlungsbericht durch die Staatsanwaltschaft.

Weitere Infos auf 12 Kugeln – 12 Fragen und der Seite der Familie und Freund_innen

1. April 2009: Ian Tomlinson

Am 1. April 2009 starb Ian Tomlinson bei den Protesten gegen den G20-Gipfel in London an einem Herzinfarkt. Tomlinson war zuvor von Polizeikräften angegriffen worden. Er wurde zuerst auf den Boden geworfen und dann getreten. Augenzeug_innen berichten zudem davon, dass Tomlinson mit Knüppeln geschlagen worden sei.

Berichte:

1. Januar 2009: Oscar Grant III

Oscar Grant (21) war in der Silvesternacht 2008/09 angeblich an einer Schlägerei in Oakland beteiligt. Die daraus resultierenden Umstände führten zu seinem Tod durch unberechtigte Schüsse eines Polizisten.
Nachdem es in der Nacht zu einer Schlägerei gekommen war, wurden in einer U-Bahn-Station einige Verdächtige verhaftet. Unter ihnen auch Oscar Grant. Die Personalienkontrolle blieb zunächst friedlich. Als allerdings ein weiterer Polizist ohne ersichtlichen Grund einen Gefesselten zu Boden schlug und ihn mit dem Knie fixierte, eskalierte die Situation: Zwei Polizisten zerrten gezielt einen der Gefangenen heraus und versuchten, ihm Handschellen anzulegen. Derjenige war Oscar, welcher sich daraufhin über die grobe Art der Polizisten beschwerte. Die anderen Gefangenen sowie die Leute, die sich um den Ort des Geschehens versammelt hatten, schimpften lautstark über das Verhalten der Polizisten . Sie forderten diese auf, Oscar freizulassen, doch die »Ordnungshüter« reagierten darauf nicht. Ohne dass Oscar sich körperlich wehrte, zog der der Polizist Johannes Mehserle (27) ohne Ankündigung seine Dienstwaffe und schoss Oscar Grant vor mehr als 50 Zeug_innen in den Kopf.

Das Beweisvideo findet ihr hier.

Indymedia-Berichte:

31. Dezember 2008: Dennis J.

Am 31. Dezember 2008 wurde im brandenburgischen Schönfließ der 26-jährige Dennis J. vom damals 36-jährigen Berliner LKA-Polizisten Rainhard R. erschossen. Zuvor war nach Dennis wegen zwei offenen Haftbefehlen gefahndet worden. In der Silvesternacht wurde Dennis durch eine rechtswidrige Handyortung seiner Freundin in einem Neufließer Wohngebiet von den Zivilfahndern gefunden. Was in den folgenden 20 Sekunden geschah ist aufgrund widersprüchlicher Zeug_innenaussagen nicht ganz klar. Fakt ist jedoch, dass Dennis J. von acht Schüssen aus der Dienstwaffe von Rainhard R. getroffen wurde. Dabei war der erste – ein Lungenschuss aus maximal 1,50 Metern Entfernung – schon tödlich.

Den gesamten Artikel sowie weitere Links findet Ihr bei der Anarchistischen Gruppe Freiburg.

Artikel in der Berliner Zeitung

Indymedia-Berichte:

6. Dezember 2008: Alexandros Grigoropoulos

Es ist der 6. Dezember 2008, nachts in Athen. Im Viertel Exarchia greifen ca. 30 Jugendliche ein Polizeiauto mit Flaschen und Steinen an. Weil ein Polizist sich von den Jugendlichen bedroht fühlt, gibt er drei Warnschüsse ab. Ein Querschläger verletzt den 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos tödlich. Das alles ist die Folge eines tragischen Unfalls. Dies zumindest ist die offizielle Version der staatlichen Behörden.

An dieser Version bestehen allerdings erhebliche Zweifel. So berichteten Augenzeug_innen, dass es keine körperlichen Angriffe auf die Polizisten gegeben habe und es lediglich bei verbalen Auseinandersetzungen geblieben sei. Zudem habe der Polizist gezielt geschossen.

Alexis‘ Tod war nicht die Folge eines Unfalls. Alexis wurde willkürlich ermordet. Sein Mörder ist der griechische Polizist Epaminondas Korkoneas, der sich momentan vor Gericht verantworten muss. Es ist allerdings bereits jetzt klar, dass seine Strafe nicht hoch ausfallen wird.

Der staatliche Mord löste weltweit eine Flut von Protesten aus. Besonders in Griechenland kam es wochenlang zu fast täglichen Demonstrationen, zu Straßenschlachten zwischen Demonstrant_innen und der Polizei, zu Besetzungen von Universitäten, Schulen und staatlichen Gebäuden. Dabei spielten sich Szenen ab, bei denen die Polizei gemeinsam mit griechischen Faschist_innen Jagd auf Demonstrant_innen machte.

Wir möchten an Alexandros erinnern und ins Gedächtnis rufen, dass der Staat nicht davor zurückschreckt, Morde zu begehen.
Wir erklären uns mit den kämpfenden Genoss_innen in Griechenland und der ganzen Welt solidarisch.

Kein Vergessen! Kein Vergeben!
Alexis lebt in unseren Köpfen und Kämpfen weiter!

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Indymedia-Berichte:

7. Januar 2005: Oury Jalloh

Der folgende kurze Bericht ist teilweise von Indymedia abgeschrieben.

Oury Jalloh […] war am 7. Januar 2005 an Händen und Füssen gefesselt im Polizeigewahrsam in Dessau bei lebendigem Leibe in einer Zelle verbrannt. […] Anfang Dezember waren zwei verantwortliche Polizisten vom zuständigen Gericht von jeglichen Vorwürfen frei gesprochen worden. Die Gedenkdemonstrationen, die jährlich in Dessau stattfinden, werden von der Polizei kriminalisiert und die DemoteilnehmerInnen haben mit starker Schikane zu kämpfen.

Einen Artikel zur Urteilsverkündung zum Tod von Oury findet Ihr hier.

24. Mai 2002: Stephan Neisius

Der Kölner Musiker und Handwerker Stephan Neisius wurde vor einem Jahr, in der Nacht des 11. Mai, in Polizeigewahrsam über einen längeren Zeitraum körperlich und seelisch unfassbar brutal misshandelt. Stephans Sterben im Koma nach dieser Qual dauerte zwei Wochen. Er wurde 31 Jahre alt.
Dieses Verbrechen, von zwei nicht beteiligten Polizeibeamten angezeigt, wurde von engagierten Journalisten und Freunden Stephans bekannt gemacht und von zwei hartnäckigen Verteidigern verfolgt. Ein Fall, der von offizieller Seite zunächst zu vernebeln versucht worden war, fand öffentliche Aufmerksamkeit und wird jetzt von Amnesty International beobachtet.
Stephan ist durch seinen Tod zu einer öffentlichen Person geworden, an deren Schicksal jeder teilhaben kann, die aber viel zu wenige kennen. Es ist wichtig und er verdient es, daß diese Person sein Gesicht erhält, daß aus ihr der Mensch Stephan wird.

Den gesamten Artikel findet Ihr hier.
Hintergrund-Informationen gibt es hier.

20. Juli 2001: Carlo Giuliani

Bei den Protesten gegen den G8-Gipfel in Genua (Italien) wurde Carlo Giuliani auf der Piazza Alimonda von einem Carabinieri ermordet. Wir dokumentieren im Folgenden eine genaue Beschreibung des Tathergangs. Geklaut haben wir diese von folgender Seite: http://www.piazzacarlogiuliani.org

[…] Es ist ungefähr 16.30 Uhr, als Carlo sich dem Zug der Disobbedienti anschliesst. [… Die] DemonstrantInnen [sind] völlig erschöpft. Seit Stunden eingekesselt, den wiederholten Attacken der Polizei ausgesetzt, vom Tränengas vergiftet, von den Wasserwerfern verätzt, versuchen sie immer wieder, in die Nebenstrassen zu entweichen […].
[… Die] Sicherheitskräfte [greifen] die Zugspitze an: Panzerwagen rasen mit 70Km/h auf die Leute zu, ätzende Substanzen und CS Tränengas werden in rauen Mengen verstreut. Dazu kommen die Schüsse der Feuerwaffen und der erbarmungslose Einsatz der Tonfa-Schlagstöcke.
Die DemonstrantInnen werfen Steine und Tränengaspetarden zurück und versuchen, mit den Müllcontainern kleine Barrikaden zu errichten.
Carlo zieht eine blaue Kopfbedeckung über.
Zwei schmale Strassen führen von der via Tolemaide zur Piazza Alimonda.
17.15 Uhr. Eine zwanzigköpfige Einheit der Carabinieri, von 2 Mannschaftswagen begleitet, stellt sich in einer dieser Nebenstrassen auf.
Wieder werden Tränengaspetarden in die Menge geschossen.
Die DemonstrantInnen reagieren.
Die Sicherheitskräfte ziehen sich plötzlich zurück und rennen ordnungslos durch die Piazza Alimonda in Richtung Via Caffa.
Sie werden von einer schreienden Gruppe von DemonstrantInnen verfolgt.
Die 2 Mannschaftswagen decken die flüchtende Polizeieinheit und fahren im Rückwärtsgang am ersten Müllcontainer vorbei.
Einer der Mannschaftswagen erreicht mit wenigen Lenkmanövern seine Kollegen in der Via Caffa, der andere Wagen fährt gegen einem halbleeren Container, der sich auf der rechten Seite der Strasse befindet, und bleibt dort stehen.
Nur einige Meter trennen den blockierten Wagen von den Polizisten, die sich mit Mannschafts- und Panzerwagen in der Via Caffa wieder aufreihen. Eine grössere Polizeieinheit befindet sich in der Piazza Tommaseo, am Ende der 300 Meter langen Via Caffa.
Einige DemonstrantInnen erreichen den stillstehenden Mannschaftswagen in der Piazza Alimonda. Ein paar von ihnen kehren in die Via Tolemaide zurück, andere werfen Steine gegen die Polizisten in der Via Caffa, noch andere greifen den Defender mit Steinen und Holzstöcken an.
Zum ersten Mal erscheint ein Feuerlöscher. Jemand hebt den Feuerlöscher auf und wirft ihn aus nächster Nähe gegen den Polizeiwagen: der Feuerlöscher trifft die Heckscheibe und fällt dann auf den hinten angebrachten Ersatzreifen. Aus der Heckscheibe kommt ein Militärstiefel, der den Feuerlöscher wegstösst. Der Feuerlöscher rollt auf die Strasse.
In diesem Augeblick befinden sich 4 Fotografen und 5 DemonstrantInnen in der Nähe des Wagens.
Aus dem Rückfenster erscheint eine Pistole.
Ein Junge sieht die Pistole, bückt sich und rennt davon.
Carlo kommt hinzu, beugt sich nach vorne, um den Feuerlöscher aufzuheben, richtet sich mit einer Rumpfdrehung wieder auf und befindet sich nun praktisch vor dem Heck des Defenders.
Er hebt den Feuerlöscher über den Kopf.
In diesem Moment beträgt die Entfernung zwischen Carlo und dem Heckfenster des Polizeiwagens 3,37 Meter.
Es ist 17.27 Uhr.
Der erste Schuss wird abgefeuert.
Carlo fällt nach vorne und das Gewicht des Feuerlöschers reisst ihn mit sich in Richtung des Defenders, wo er auf der rechten Seite liegen bleibt.
Während die Demonstranten fluchtartig davonrennen, wird ein zweiter Schuss abgefeuert. Die Rückwärtsganglichter des Polizeiwagens leuchten auf.
Jemand ruft „stopp, anhalten“, aber der Defender überrollt Carlos Körper zweimal, zuerst fährt er im Rückwärtsgang über Carlos Becken, dann wieder vorwärts über die Beine.
Nur 5 Sekunden nach dem zweiten Schuss ist der Defender bereits in der Via Caffa, hinter den aufgestellten Polizeikräften.
Die anwesenden Journalisten beginnen Carlo, der sterbend auf dem Boden liegt, zu fotografieren und zu filmen.
Ein paar DemonstrantInnen kommen hinzu und versuchen den Blutstrahl zu stoppen, der im Rhythmus des Herzschlages aus Carlos linkem Jochbogen strömt.
Jetzt rücken die Polizisten heran, sie schiessen einige Tränengaspetarden und zerstreuen die wenigen DemonstrantInnen, die noch anwesend sind.
Die Sicherheitskräfte kreisen den Körper ein.
10 Minuten später, als eine Sanitäterin des GSF versucht, Carlo zu helfen, schlägt sein Herz noch. Eine zweite Sanitäterin kommt hinzu.
Die Krankenschwestern ziehen Carlos Mütze herunter und bemerken eine grosse, tiefe Wunde auf der Stirn, die aber nicht blutet. Die Wunde wurde also verursacht, als Carlo schon tot war. An Carlos rechter Schläfe sind verschiedene Verletzungen und Schürfungen sichtbar.
Verschiedene ZeugInnen bestätigen, dass die Sicherheitskräfte mit Fusstritten auf Carlos Kopf eingeschlagen haben, bevor die Sanitäterinnen des GSF eintrafen.

Eine sehr gute Rekonstruktion der Geschehnisse, welche die Darstellung des Staates als Lüge entlarven:

Teil 1:

Teil 2:

Teil 3:

Teil 4:

28. Mai 1999: Aamir Ageeb

Am 28. Mai 1999 starb der 30 Jahre alte Sudanese Aamir Ageeb. Da er sich gegen seine Abschiebung gewehrt hatte, wurde er von drei BGS-Beamten gefesselt, bekam einen Motorradhelm aufgesetzt und wurde während des Starts mit dem Kopf nach unten gedrückt, wobei er starb.

Ageeb, der u.a. fließend Arabisch, Deutsch und Türkisch sprach, ging oft in die Moschee und war aktiv am Sozialleben der türkischen sowie der arabischen Gemeinde in Hamburg beteiligt. Er war in der muslimischen Gemeinde daher sehr bekannt und populär. Die sehr gut durchgeführte organisatorische Arbeit einiger afrikanischer Gruppen – vor allem im Zusammenhang mit Protestdemonstrationen vor der Ausländerbehörde und in der Hamburger Innenstadt – trugen dazu bei, daß der Fall Ageeb in Hamburg bekannt wurde. Unsere Entscheidung, uns näher mit den Umständen seines Todes zu beschäftigen, entstand nicht nur weil wir durch die ai-Asylarbeit schon Kontakt zu Bekannten und Freunden von Ageeb hatten, sondern vor allem durch die ruhige, gleichzeitig insistierend gestellte Forderung des Sudanesischen Verbandes in und um Hamburg e.V. nach einer lückenlosen Aufklärung des Falles. Die Sudanesen waren schockiert nicht nur über den Tod Ageebs, sondern auch durch die Art, wie mit seinem Andenken in den Medien umgegangen wurde. Denn sie kannten ihn seit Jahren und konnten nicht fassen, wie jemand aus ihrem Freundeskreis angeblich so viele schreckliche Dinge gemacht haben soll, wie in den Medien über ihn berichtet wurde, ohne daß sie je etwas davon bemerkt haben. Ihre Betroffenheit hat uns angesteckt.

Den gesamten Artikel findet Ihr hier.

1. Mai 1999: Marcus Omofuma

Am 1. Mai 1999 knebelten und fesselten drei Polizisten Marcus Omofuma im Zuge seiner zwangsweisen Abschiebung aus Österreich. Am Sitz des Flugzeugs festgezerrt, Mund und Nase mit Klebeband verschlossen, erstickte Marcus Omofuma qualvoll.

Quelle: http://no-racism.net/article/2538/

Viele ausführliche Berichte und Hintergrundinformationen gibt es auf http://no-racism.net

Wikipedia-Artikel

29. Juni 1997: Halim Dener

Halim Dener wurde am 29. Juni 1997 von dem SEK-Beamten Klaus T. mit einem Schuss in den Rücken getötet, als er beim Plakatieren von Plakaten der „Nationalen Befreiungsfront Kurdistans“ (ERNK), die als Nebenorganisation der „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK) gilt. Die PKK wird in der BRD als „terroristische Vereinigung“ angesehen. Der SEK-Beamte wurde 1997 nach einem skandalösen Verfahren freigesprochen.

Ein Text des Rechtsanwaltes Dr. Rolf Gössner, der als Nebenklage-Vertreter zusammen mit Rechtsanwalt Hans-Eberhard Schultz die kurdischen Eltern und Geschwister des erschossenen Jugendlichen Halim Dener vertrat, ist hier zu finden.

30. August 1994: Kola Bankole

Am 30. August 1994 kam Kola Bankole bei einem Abschiebungsversuch auf dem Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt, Deutschland ums Leben. Auch wenn die exakte Todesursache – ob durch Ersticken oder Herztod – bis heute ungeklärt ist, sind doch die Umstände seines Todes bekannt: Der am Herzen erkrankte Nigerianer, der sich wiederholt gegen seine Abschiebung zur Wehr gesetzt hatte, war von vier Beamten des Bundesgrenzschutzes an Bord einer Lufthansamaschine gebracht und an einen Flugzeugsitz gefesselt worden. Ihm wurden gedrillte Stofftücher zwischen die Zahnreihen gezogen, hinter dem Nacken zusammengeschnürt und das Ganze mit breiten Klebestreifen befestigt. Bei vermutlich durch diesen sog. „Beißschutz“ und durch ein sog. „Mund-Nasen-Pflaster“ behinderter Atmung verabreichte ihm gegen 14.00 Uhr der begleitende Arzt eine Kombination von Beruhigungsmitteln in den Oberarm. Denn nach dem Willen derjenigen, die seine Angst und Gegenwehr nicht ernst nahmen und schließlich doch seinen Widerstand brachen, sollte Kola Bankole in gefesseltem und narkotisiertem Zustand nach Lagos transportiert werden.
Kola Bankole überlebte diesen vierten Abschiebungsversuch nicht. Der 20 Minuten nach der Injektion herbeigerufene Notarzt konnte um 14.25 Uhr nur noch seinen Tod feststellen. Niemand kann ermessen, wie lange sein Todeskampf währte.

Quelle: http://no-racism.net/article/1072

17. November 1989: Conny Wessmann

Kornelia „Conny“ Wessmann war eine deutsche Studentin. Als 24-Jährige kam sie in Göttingen am Rande eines Polizeieinsatzes bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Seitdem wird ihrer in Teilen der autonomen Szene als einer „Genossin“ ähnlich Günther Sare oder Benno Ohnesorg gedacht, die für ihre politische Überzeugung gestorben sei. An der Stelle, wo sie ums Leben kam, steht heute ein Denkmal.

An jenem Tage hatten rechtsradikale Skinheads in der Göttinger Burgstraße randaliert. Daraufhin waren Linke, aber auch eher unpolitische, aber gegen Neonazis empörte junge Leute in verschiedenen Gruppen in die Göttinger Innenstadt aufgebrochen, um den Neonazis entgegenzutreten. Zu einer dieser Gruppen gehörte Conny Wessmann, die aber eher aus spontaner Betroffenheit an der Demonstration teilnahm denn als typische Autonome.

Die starke linksradikale Szene in der Stadt mobilisierte beim Auftreten von Rechtsradikalen häufig über Telefonketten u. ä. Unterstützung. Die Antifa-Gruppe, zu der die aus Lingen stammende Conny Wessmann gehörte, hatte die Neonazis, die von der Polizei zu einer Bushaltestelle begleitet und der Stadt verwiesen worden waren, nicht mehr angetroffen, wurde aber ihrerseits von der Polizei observiert und durch die Stadt verfolgt. In einer Stichstraße hinter dem Iduna-Zentrum an der Weender Landstraße wollte die Gruppe sich eigentlich auflösen, um getrennt nach Hause zu gehen, wurde dort aber von einem Zivilstreifenwagen erwartet. Wessmann floh auf die stark befahrene Weender Landstraße, wo sie von einem Auto erfasst wurde und starb.

Die Autonomen machen seither für Wessmanns Tod die Polizei verantwortlich, welche durch ihre überraschende Aktion in dem engen Durchgang die Studentin in den Tod getrieben habe. Viele von ihnen verstehen ihren Tod sogar als politischen Mord durch den Staat. In einem von Linken aufgenommenen und später öffentlich dokumentierten Funkgespräch hatten Polizeibeamte sich dazu verabredet, die Gruppe, der Conny Wessmann angehörte, so wörtlich „plattzumachen. In einem Interview des NDR-Fernsehens erklärte der damalige leitende Göttinger Staatsanwalt Jabel später, „plattmachen“ sei Polizeijargon für eine Personalienfeststellung, bei der Verdächtige gezwungen würden, sich flach auf den Boden zu legen.

Bei den offiziellen Untersuchungen wurde weder ein Verschulden von Polizeibeamten noch auf Seiten des Autofahrers festgestellt, weil dieser nicht mehr ausweichen konnte. Mitglieder der autonomen Szene bestritten solche Untersuchungsergebnisse. Hierzu muss gesagt werden, dass nur Zeugenaussagen von Polizeibeamten aufgenommen wurden, weil die an der Auseinandersetzung beteiligten Antifa-Angehörigen ihre Anonymität nicht preisgeben wollten.

Bis Mitte der neunziger Jahre riefen Autonome anfangs monatlich, später jährlich zu Gedenkdemonstrationen anlässlich des Todes von Wessmann auf, bei denen es häufig zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei kam.

Ein linker Verein in Großenhain (Sachsen) nennt sein alternatives Jugendzentrum nach ihr „Conny-Wessmann-Haus“. Der Dramatiker Lutz Hübner hat den Tod von Conny Wessmann sowie dessen Konsequenzen in seinem Stück „Ausnahmezustand“ verarbeitet, das 2001 am Deutschen Theater Göttingen uraufgeführt wurde.

Quelle: http://linksunten.indymedia.org/de/node/5966

Bericht mit Fotos
Interview zur Tat mit einer Person des autonomen Spektrums

28. September 1985: Günter Sare

Günter Sare († in Frankfurt am Main) starb, nachdem ihn ein Wasserwerfer der Polizei überrollt hatte. Sein Tod löste Straßenschlachten zwischen der autonomen Szene und der Polizei aus.

Der 36-jährige Maschinenschlosser nahm an einer Demonstration gegen eine Versammlung der NPD im Bürgerhaus des Frankfurter Stadtteils Gallus teil. Zunächst veranstalteten zahlreiche linke Gruppierungen als Protest gegen die NPD ein multikulturelles Nachbarschaftsfest, das zunächst friedlich verlief. Gegen 20 Uhr kam es zu ersten gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen militanten Linken und NPD-Anhängern. Die Polizei setzte zwei Wasserwerfer ein. An der Kreuzung Frankenallee/Hufnagelstraße ging eines dieser Fahrzeuge gegen eine Demonstrantengruppe vor. Als einziger aus dieser Gruppe ergriff Günther Sare nicht die Flucht. Er wurde vom Wasserstrahl getroffen und dann von dem 27 Tonnen schweren Fahrzeug überrollt. Die Hinterachse drückte seinen Brustkorb ein. Ein Medizinstudent, ein Arzt und ein Sanitäter leisteten rund 20 Minuten lang erste Hilfe. Als nach dieser Zeitspanne der Notarztwagen eintraf, war Günther Sare tot. Später erhoben die Ersthelfer Vorwürfe, dass die Polizei sie behindert habe.

Danach kam es in mehreren Städten, besonders in Frankfurt, zu tagelangen Straßenschlachten. Der Vorfall erhielt zusätzliche politische Brisanz, weil die den Autonomen nahe stehenden Grünen um Joschka Fischer zu diesem Zeitpunkt mit der SPD über eine Regierungskoalition in Hessen verhandelten. Vor allem Holger Börner, der designierte SPD-Ministerpräsident, hatte sich zuvor als entschiedener Gegner der autonomen Szene profiliert.

Das juristische Verfahren um den Tod Sares endete im November 1990 in zweiter Instanz vor dem Landgericht Frankfurt, das die Besatzung des Wasserwerfers vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freisprach. Dem Urteil zufolge hatte Sare vor dem Unfall Alkohol und Haschisch konsumiert und deshalb die Bedrohung durch den Wasserwerfer falsch eingeschätzt.

Quelle: http://linksunten.indymedia.org/de/node/5966

Artikel bei Indymedia
Artikl der Antifa Frankfurt

22. September 1981: Klaus-Jürgen Rattay

Wir schreiben aus dem Buch Autonome in Bewegung ab:

[Im September 1981 lässt Lummer, der Innensenator von Berlin, mehrere besetze Häuser räumen.] Am frühen Morgen des Räumungstages rückt die Polizei mit einem Großaufgebot, mit Panzerwagen, Wasserwerfern und schwerem Räumgerät an. […] Mittags will der Innensenator Lummer es sich nicht nehmen lassen, in einem der geräumten Häuser eine Pressekonferenz abzuhalten. Er präsentiert sich auf dem Balkon der Bülowstraße 89 als siegreicher Feldherr. Dadurch heizt er die Stimmung noch zusätzlich auf. Lautstarke Proteste […] begleiten seinen Auftritt. Die Polizei ist nervös und knüppelt die Straße frei. Einige hundert Menschen flüchten auf die verkehrsreiche Potsdamer Straße. Dort wird Klaus-Jürgen Rattay von einem BVG-Bus erfasst und mitgeschleift. Er stirbt auf der Straße. […] Abends kommt es zur größten Spontandemo der Bewegung, rund 10.000 Menschen beteiligen sich […].

29. August 1980: Olaf Ritzmann

Olaf Ritzmann nahm am 25.8.1980 in Hamburg an Protesten gegen den Besuch von Franz Josef Strauß teil. Im Zuge der Proteste kam es zu Jagdszenen, bei denen Demonstrant_innen durch die Polizei auf S-Bahn-Gleise getrieben wurden. Olaf wurde von einem Zug erfasst und ins Krankenhaus eingeliefert, wo er – auf Anweisung der Polizei – noch vier Tage künstlich am Leben gehalten wurde. Damit sollten Ausschreitungen verhindert werden.

Sehr ausführlicher Artikel mit vielen Zitaten aus Gedächtnisprotokollen von Demonstrant_innen und Auszügen aus der Presse.
Artikel in Die Zeit
Kurzer Indymedia-Artikel mit Bildern

18. Juni 1974: Günter Routhier

Am 18.06.1974 verstarb der Duisburger Gewerkschafter Günter Routhier, nachdem er am 05.06. Hirnblutungen, verursacht durch Gewaltanwendung der Polizei, erlitt.

Was ist passiert?

Nachdem die Klage des KPD/ML-Mitglieds Hanfried Brenner gegen seine Entlassung bei Mannesmann vor dem Duisburger Arbeitsgericht abgewiesen wurde, kam es zu empörten Protesten der sich mit Brenner solidarisch zeigenden Genoss_Innen, darunter auch Günter Routhier. Daraufhin wurde der Gerichtssaal unter massiver Gewaltanwendung von der bereits anwesenden Bereitschaftspolizei geräumt. Auf Anweisung des Einsatzleiters „kräftig zuzupacken“ wird gegen die Protestierenden aggressiv vorgegangen, ebenfalls gegen Routhier, obwohl Umstehende die Polizist_Innen mehrfach auf Routhiers Bluter-Erkrankung hinweisen mit der Aufforderung, ihn in Ruhe zu lassen. Dem wird jedoch nicht nachgekommen, Routhier wird gewaltsam vor den Augen seines Sohnes von den Polizisten Wolfgang Werner und Peter Kluten aus dem Gerichtssaal geschleppt und fällt nach einer Rangelei mit den Beamten infolge derer Werner ihm einen Stoß in den Rücken versetzt eine Treppe hinunter und zieht sich die schweren Hirnblutungen zu, an denen er letztendlich am 18.06. in der Universi-tätsklinik Essen verstirbt. Obwohl unabhängige gerichtsmedizinische Gutachten zweifelsfrei bestätigen, dass die Hirnblutungen auf stumpfe Gewaltanwendung zurückzuführen sind, leugnet die Polizei diesen Sachverhalt konsequent und ist bemüht, die Angelegenheit vor der Öffentlichkeit zu verbergen.

Am 24.10.1978 wurde der Münsteraner Professor Christian Sigrist wegen Verunglimpfung des Staates vom Schöffengericht Münster verurteilt, da er öffentlich behauptete, Routhier sei einem Mord zum Opfer gefallen. Im gesamten Bundesgebiet sind mittlerweile mehr als 1000 Strafverfahren wegen ähnlichen Behauptungen eingeleitet worden. Offensichtlich versuchen die Verantwortlichen mit allen Mitteln die offiziellen Ergebnisse zu verteidigen: Am 06.03.1981 wurde eine Herausgabe der polizeilichen Akten zum Fall Routhier vom NRW-Innenminister unter Berufung auf §96 der Strafprozessordnung mit Hinweis auf das Wohl des Landes untersagt.

Quelle: indymedia

weitere Materialien

2. Juni 1967: Benno Ohnesorg

Benno Ohnesorg war Student der Romanistik und Germanistik in West-Berlin. Er war dort als Pazifist Mitglied einer evangelischen Studentengemeinde und wollte Gymnasiallehrer werden.

Durch seinen Tod wurde Ohnesorg bundesweit bekannt: Am 2. Juni 1967 wurde der 26-jährige bei einer Demonstration unter ungeklärten Umständen von dem Kriminalobermeister Karl-Heinz Kurras erschossen. Dies führte zu einer Ausbreitung und Radikalisierung der damaligen westdeutschen Studentenbewegung.

Etwa 20 leicht verletzte Polizeibeamte konnten das Krankenhaus am Abend des 2. Juni wieder verlassen. Über die etwa 45 in Krankenhäuser eingelieferten verletzten Studenten dagegen wurde eine tagelange Nachrichtensperre verhängt. Angehörige erfuhren zunächst nichts über ihren Aufenthaltsort und die Schwere ihrer Verletzungen. Schwerverletzten, die ihre Personalien nicht nennen wollten – darunter Jutta B., die Ohnesorgs Transport begleitet hatte –, wurde die Behandlung verweigert.

Die Berliner Polizeigewerkschaft verlangte am 3. Juni schärfere Maßnahmen gegen das „zügellose Treiben dieses Mobs“ und ein Abgehen vom Kurs der „weichen Welle“ bei der „Behandlung dieser Kriminellen.“ Die Polizei verhinderte weitere Demonstrationen mit Straßensperren und massiver Präsenz und riegelte auch den Campus der FU ab. Ein Polizeiplakat erklärte das Demonstrationsverbot wie folgt:
„Wer mit Gewalt die Rechtsordnung unseres Landes untergraben und unsere Gesellschaftsordnung beseitigen will, hat das Recht verwirkt, sich auf demokratische Freiheiten zu berufen. […] Treten wir daher gemeinsam entschieden jenen Kräften entgegen, die das Maß der freien Meinungsäußerung und der Demonstrationsfreiheit bei weitem überschreiten.“

Nach dem Polizeibericht, der sich ausschließlich auf Aussagen der anwesenden Polizisten stützte, sollte Kurras in Notwehr geschossen haben. Dieser gab in den Folgetagen drei verschiedene Versionen des Tathergangs an, die nur im ersten Punkt übereinstimmten: Er habe sich von den Demonstranten bedroht gefühlt, daraufhin seine Waffe gezogen und entsichert.

  • Dann habe er einen oder zwei Warnschüsse abgegeben, von denen einer als Querschläger Ohnesorg getroffen habe.
  • Im Handgemenge sei seine Waffe versehentlich losgegangen.
  • Zwei Männer mit „blitzenden Messern“ hätten ihn, als er am Boden lag, angegriffen, und er habe sich durch Gebrauch der Schusswaffe schützen wollen.

Die dritte Version vertrat er – ohne Widerspruch seitens der Behörden – monatelang in der Presse und später auch in seinem Prozess.

Polizeipräsident Duensing war spätestens gegen ein Uhr nachts am 3. Juni darüber informiert, dass ein Polizist den Studenten erschossen hatte. Er beschrieb am 5. Juni gegenüber Journalisten, man habe eine „Leberwurst-Taktik“ angewandt: „Nehmen wir die Demonstranten wie eine Leberwurst, nicht wahr, dann müssen wir in die Mitte hineinstechen, damit sie an den Enden auseinanderplatzt.“

Quelle: http://linksunten.indymedia.org/de/node/5966

11. Mai 1952: Philipp Müller

Philipp Müller war ein deutscher Arbeiter und Kommunist. Müller starb, als die Polizei in Essen auf Teilnehmer einer Demonstration gegen die bundesdeutsche Remilitarisierung schoss. Dies war das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, dass ein Demonstrant durch die Polizei getötet wurde.

Die Ereignisse am 11. Mai 1952:

In Absprache mit den Westalliierten plante die Regierung der Bundesrepublik Deutschland die Wiederbewaffnung und die vertragliche militärische Bindung an die NATO. Nach den Vorabsprachen auf der Außenministerkonferenz im September 1951 sollte am 26. Mai 1952 der Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) unterzeichnet werden. Gegen dieses Vorhaben formte sich ein breiter Widerstand aus linken, kommunistischen und pazifistischen Kräften. Die Regierung der Sowjetunion versuchte mit den ersten sogenannten Stalin-Noten im März und April 1952 die Entwicklung zu stoppen. Die DDR unterstützte die Aktionen der Wiederbewaffnungsgegner über die KPD, die FDJ und Gewerkschaften.

Eine Konferenz von Vertretern verschiedener Jugendorganisationen unter Leitung des dortigen Pfarrers Herbert Mochalski, eines engen Vertrauten des hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Martin Niemöller, rief zu einer „Jugendkarawane gegen Wiederaufrüstung und Generalvertrag“ am 11. Mai 1952 in Essen auf. Am 10. Mai verbot der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Karl Arnold (CDU), der zugleich Ministerpräsident war, die Demonstration mit der Begründung, dass wegen weiterer Veranstaltungen nicht genug Polizeikräfte zur Verfügung stünden. Viele Teilnehmer traten die Heimreise an. Dennoch fanden sich etwa 30.000 Personen, die an verschiedenen Orten in Essen kleinere Veranstaltungen organisierten, die jedoch von der Polizei aufgelöst wurden. Vor der Grugahalle widersetzten sich Demonstranten den Aufforderungen der Polizei.

Kommissar Knobloch erteilte Schießbefehl auf die Demonstrierenden, später wurde behauptet, diese hätten auf die Polizei geschossen, die dann dazu gezwungen gewesen sei, das Feuer zu erwidern. Zwei Kugeln eines Polizisten trafen Philipp Müller, eine davon sein Herz tödlich. Durch Polizeikugeln schwer verletzt wurden außerdem der Sozialdemokrat Bernhard Schwarze aus Kassel und der Gewerkschafter Albert Bretthauer aus Münster.

Die Schüsse sind mit Urteil vom 2. Oktober 1952 vom Dortmunder Landgericht als Notwehr eingestuft worden. Schußwaffengebrauch von Demonstranten konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Dutzende Jugendliche wurden festgenommen, elf von ihnen später zu Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren verurteilt. Ministerpräsident Arnold erklärte:

„Da der Widerstand durch den Gebrauch des Polizeischlagstocks nicht gebrochen werden konnte … musste von der Schusswaffe Gebrauch gemacht werden. Vor dem Schusswaffengebrauch wurde die Menge dreimal aufgefordert, das Werfen einzustellen“.

Quelle: http://linksunten.indymedia.org/de/node/5966