20. Juli 2001: Carlo Giuliani

Bei den Protesten gegen den G8-Gipfel in Genua (Italien) wurde Carlo Giuliani auf der Piazza Alimonda von einem Carabinieri ermordet. Wir dokumentieren im Folgenden eine genaue Beschreibung des Tathergangs. Geklaut haben wir diese von folgender Seite: http://www.piazzacarlogiuliani.org

[…] Es ist ungefähr 16.30 Uhr, als Carlo sich dem Zug der Disobbedienti anschliesst. [… Die] DemonstrantInnen [sind] völlig erschöpft. Seit Stunden eingekesselt, den wiederholten Attacken der Polizei ausgesetzt, vom Tränengas vergiftet, von den Wasserwerfern verätzt, versuchen sie immer wieder, in die Nebenstrassen zu entweichen […].
[… Die] Sicherheitskräfte [greifen] die Zugspitze an: Panzerwagen rasen mit 70Km/h auf die Leute zu, ätzende Substanzen und CS Tränengas werden in rauen Mengen verstreut. Dazu kommen die Schüsse der Feuerwaffen und der erbarmungslose Einsatz der Tonfa-Schlagstöcke.
Die DemonstrantInnen werfen Steine und Tränengaspetarden zurück und versuchen, mit den Müllcontainern kleine Barrikaden zu errichten.
Carlo zieht eine blaue Kopfbedeckung über.
Zwei schmale Strassen führen von der via Tolemaide zur Piazza Alimonda.
17.15 Uhr. Eine zwanzigköpfige Einheit der Carabinieri, von 2 Mannschaftswagen begleitet, stellt sich in einer dieser Nebenstrassen auf.
Wieder werden Tränengaspetarden in die Menge geschossen.
Die DemonstrantInnen reagieren.
Die Sicherheitskräfte ziehen sich plötzlich zurück und rennen ordnungslos durch die Piazza Alimonda in Richtung Via Caffa.
Sie werden von einer schreienden Gruppe von DemonstrantInnen verfolgt.
Die 2 Mannschaftswagen decken die flüchtende Polizeieinheit und fahren im Rückwärtsgang am ersten Müllcontainer vorbei.
Einer der Mannschaftswagen erreicht mit wenigen Lenkmanövern seine Kollegen in der Via Caffa, der andere Wagen fährt gegen einem halbleeren Container, der sich auf der rechten Seite der Strasse befindet, und bleibt dort stehen.
Nur einige Meter trennen den blockierten Wagen von den Polizisten, die sich mit Mannschafts- und Panzerwagen in der Via Caffa wieder aufreihen. Eine grössere Polizeieinheit befindet sich in der Piazza Tommaseo, am Ende der 300 Meter langen Via Caffa.
Einige DemonstrantInnen erreichen den stillstehenden Mannschaftswagen in der Piazza Alimonda. Ein paar von ihnen kehren in die Via Tolemaide zurück, andere werfen Steine gegen die Polizisten in der Via Caffa, noch andere greifen den Defender mit Steinen und Holzstöcken an.
Zum ersten Mal erscheint ein Feuerlöscher. Jemand hebt den Feuerlöscher auf und wirft ihn aus nächster Nähe gegen den Polizeiwagen: der Feuerlöscher trifft die Heckscheibe und fällt dann auf den hinten angebrachten Ersatzreifen. Aus der Heckscheibe kommt ein Militärstiefel, der den Feuerlöscher wegstösst. Der Feuerlöscher rollt auf die Strasse.
In diesem Augeblick befinden sich 4 Fotografen und 5 DemonstrantInnen in der Nähe des Wagens.
Aus dem Rückfenster erscheint eine Pistole.
Ein Junge sieht die Pistole, bückt sich und rennt davon.
Carlo kommt hinzu, beugt sich nach vorne, um den Feuerlöscher aufzuheben, richtet sich mit einer Rumpfdrehung wieder auf und befindet sich nun praktisch vor dem Heck des Defenders.
Er hebt den Feuerlöscher über den Kopf.
In diesem Moment beträgt die Entfernung zwischen Carlo und dem Heckfenster des Polizeiwagens 3,37 Meter.
Es ist 17.27 Uhr.
Der erste Schuss wird abgefeuert.
Carlo fällt nach vorne und das Gewicht des Feuerlöschers reisst ihn mit sich in Richtung des Defenders, wo er auf der rechten Seite liegen bleibt.
Während die Demonstranten fluchtartig davonrennen, wird ein zweiter Schuss abgefeuert. Die Rückwärtsganglichter des Polizeiwagens leuchten auf.
Jemand ruft „stopp, anhalten“, aber der Defender überrollt Carlos Körper zweimal, zuerst fährt er im Rückwärtsgang über Carlos Becken, dann wieder vorwärts über die Beine.
Nur 5 Sekunden nach dem zweiten Schuss ist der Defender bereits in der Via Caffa, hinter den aufgestellten Polizeikräften.
Die anwesenden Journalisten beginnen Carlo, der sterbend auf dem Boden liegt, zu fotografieren und zu filmen.
Ein paar DemonstrantInnen kommen hinzu und versuchen den Blutstrahl zu stoppen, der im Rhythmus des Herzschlages aus Carlos linkem Jochbogen strömt.
Jetzt rücken die Polizisten heran, sie schiessen einige Tränengaspetarden und zerstreuen die wenigen DemonstrantInnen, die noch anwesend sind.
Die Sicherheitskräfte kreisen den Körper ein.
10 Minuten später, als eine Sanitäterin des GSF versucht, Carlo zu helfen, schlägt sein Herz noch. Eine zweite Sanitäterin kommt hinzu.
Die Krankenschwestern ziehen Carlos Mütze herunter und bemerken eine grosse, tiefe Wunde auf der Stirn, die aber nicht blutet. Die Wunde wurde also verursacht, als Carlo schon tot war. An Carlos rechter Schläfe sind verschiedene Verletzungen und Schürfungen sichtbar.
Verschiedene ZeugInnen bestätigen, dass die Sicherheitskräfte mit Fusstritten auf Carlos Kopf eingeschlagen haben, bevor die Sanitäterinnen des GSF eintrafen.

Eine sehr gute Rekonstruktion der Geschehnisse, welche die Darstellung des Staates als Lüge entlarven:

Teil 1:

Teil 2:

Teil 3:

Teil 4:


2 Antworten auf “20. Juli 2001: Carlo Giuliani”


  1. 1 Stencil 21. Juli 2010 um 14:14 Uhr
  2. 2 Silvio 20. Juli 2011 um 12:52 Uhr

    Im Kampf zwischen dir und der Welt, stelle dich immer auf die Seite der Welt.
    von Franz Kafka
    Du bist nicht mehr da, wo du warst, aber du bist überall da, wo wir sind.
    Jeder hat in tiefstem Dank derer zu gedenken, die Flammen in ihm entzündet haben.

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