28. September 1985: Günter Sare

Günter Sare († in Frankfurt am Main) starb, nachdem ihn ein Wasserwerfer der Polizei überrollt hatte. Sein Tod löste Straßenschlachten zwischen der autonomen Szene und der Polizei aus.

Der 36-jährige Maschinenschlosser nahm an einer Demonstration gegen eine Versammlung der NPD im Bürgerhaus des Frankfurter Stadtteils Gallus teil. Zunächst veranstalteten zahlreiche linke Gruppierungen als Protest gegen die NPD ein multikulturelles Nachbarschaftsfest, das zunächst friedlich verlief. Gegen 20 Uhr kam es zu ersten gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen militanten Linken und NPD-Anhängern. Die Polizei setzte zwei Wasserwerfer ein. An der Kreuzung Frankenallee/Hufnagelstraße ging eines dieser Fahrzeuge gegen eine Demonstrantengruppe vor. Als einziger aus dieser Gruppe ergriff Günther Sare nicht die Flucht. Er wurde vom Wasserstrahl getroffen und dann von dem 27 Tonnen schweren Fahrzeug überrollt. Die Hinterachse drückte seinen Brustkorb ein. Ein Medizinstudent, ein Arzt und ein Sanitäter leisteten rund 20 Minuten lang erste Hilfe. Als nach dieser Zeitspanne der Notarztwagen eintraf, war Günther Sare tot. Später erhoben die Ersthelfer Vorwürfe, dass die Polizei sie behindert habe.

Danach kam es in mehreren Städten, besonders in Frankfurt, zu tagelangen Straßenschlachten. Der Vorfall erhielt zusätzliche politische Brisanz, weil die den Autonomen nahe stehenden Grünen um Joschka Fischer zu diesem Zeitpunkt mit der SPD über eine Regierungskoalition in Hessen verhandelten. Vor allem Holger Börner, der designierte SPD-Ministerpräsident, hatte sich zuvor als entschiedener Gegner der autonomen Szene profiliert.

Das juristische Verfahren um den Tod Sares endete im November 1990 in zweiter Instanz vor dem Landgericht Frankfurt, das die Besatzung des Wasserwerfers vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freisprach. Dem Urteil zufolge hatte Sare vor dem Unfall Alkohol und Haschisch konsumiert und deshalb die Bedrohung durch den Wasserwerfer falsch eingeschätzt.

Quelle: http://linksunten.indymedia.org/de/node/5966

Artikel bei Indymedia
Artikl der Antifa Frankfurt